





Walnussschalen schenken warmes Braun, Reseda hellt Gelb auf, Krapp legt Ziegelrot, Heidelbeere einen verstohlenen Violettschimmer. Beizen aus Alaun und Weinstein fixieren, Wasserqualität prägt den Ton. Färben geschieht in Kesseln unter freiem Himmel, Dampf zieht durch Lärchenzweige. Jede Partie wird protokolliert, damit spätere Reparaturen den gleichen Klang finden. So harmoniert Natur mit Erinnerungsschicht um Schicht.
Ein Band mit Pfeilmuster führt gedanklich talaufwärts, ein Fischgrat webt Flussläufe nach. Rosetten können den Dreiklang eines berühmten Gipfels zitieren, kleine Kreuzchen Schutz wünschen. Nicht jedes Zeichen ist alt, manches entsteht spontan am Webstuhl, doch alles dient Orientierung: Wer bin ich, woher komme ich, welchen Pfad nehme ich morgen? Muster werden zu vertrauten Begleitern durchs Jahr.
Zwischen Kärnten, Friaul und Oberkrain wandern Menschen, Waren, Ideen. Ein Gürtelmuster reist mit einem Viehmarkt, ein Filzhut übernimmt eine Krempenlinie, ein Köper greift eine Nachbarschaftsbindung auf. Austausch belebt, doch Wurzeln bleiben spürbar: Material aus eigener Herde, Griffe aus dem Elternhaus, Farben vom Hang hinterm Dorf. So bleibt Identität beweglich statt starr, offen statt ängstlich.
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